Junkerhaus Simonskall 

am 8. Mai zeigt das Junkerhaus Simonskall die Dokumentation

„Experiment Kalltalgemeinschaft – die Kölner Progressiven in Simonskall 1919-1921“ 

Gezeigt werden Bildtafeln mit biografischen Angaben sowie digitale Reprints von Werken der Mitglieder und Freunde der Kalltalgemeinschaft.

Eine der interessantesten Begebenheiten in der Gemeinde Hürtgenwald, sowohl in lokalgeschichtlicher als auch in literatur- und kunsthistorischer Hinsicht ist der Aufenthalt und das Wirken mehrerer junger Kölner Künstler in Simonskall in den Jahren von 1919 bis 1921. Einige von ihnen zählen heute zu den bedeutendsten Repräsentanten der konstruktivistischen Stilrichtung in Deutschland, ihre Werke befinden sich in vielen Museen der Welt.

Bei dieser Gruppe, welche sich nach dem gleichnamigen Tal „Kalltalgemeinschaft“ nannte, handelte es sich im Kern um den Kunsthistoriker und Publizisten Carl Oskar Jatho, dessen Frau, der Schriftstellerin Käthe Jatho-Zimmermann, den Maler und Grafiker Franz Wilhelm Seiwert sowie den Leipziger Maler und Bühnenbildner Franz Nitsche.

Die Künstler, die sich damals zeitweise in Simonskall aufhielten, rekrutierten sich vornehmlich aus dem Kreis der späteren Kölner Progressiven, deren künstlerisches Wirken von der Hinwendung zur konstruktivistischen Stiltendenz der 20er- Jahre dominiert war.

In Simonskall hielten sich so bekannte Künstlerpersönlichkeiten wie Otto Freundlich, Heinrich Hoerle, Angelika Hoerle, Anton Räderscheidt, Marta Hegemann und Ret Marut, alias B. Traven u.a. auf.

Neben der Herstellung von zahlreichen Bildern, Holzschnitten und Skulpturen, die fast alle von Seiwert stammten, beschäftigte sich die Kalltalgemeinschaft während ihres Aufenthaltes in der Eifel mit der Herstellung und Herausgabe von literarischen, z.T. grafisch illustrierten Texten, insgesamt acht Werken, die unter dem Namen „Kalltalpresse“, Untertitel: „Druckschriften der Kalltal-Gemeinschaft“, in die Literatur- und Kunstgeschichte der Moderne im Rheinland Eingang gefunden haben. Band 4, Franz Wilhelm Seiwert, „Welt zum Staunen“, wurde in einer Auflage von 100 Exemplaren in Simonskall auf einer Handpresse hergestellt.

           

Durch die Dokumentation ihres künstlerischen Schaffens an authentischer Stelle im Junkerhaus soll die Verantwortung für das kunsthistorisch bedeutsame Erbe von Simonskall „Experiment Kalltalgemeinschaft – die Kölner Progressiven in Simonskall 1919-1921“  wieder ins öffentliche Bewusstsein zurückgeholt werden.

Das Junkerhaus Simonskall wurde im Jahre 1651 erbaut und diente unter wechselnden Namen und Besitzern als Wohnhaus, zuletzt dem Lammersdorfer Industriellen Otto Junker, der es 1958 erwarb. Er war es auch, der das durch Kriegseinwirkung schwer beschädigte Haus aufwändig restaurierte und vor dem Abbruch bewahrte. Ihm zu Ehren trägt es heute dessen Namen. 

Inzwischen befindet sich das denkmalgeschützte Gebäude im Besitz der Gemeinde Hürtgenwald.
Im Zeitraum Frühjahr 1919 bis Herbst 1921 hatten Kölner Künstler und Intellektuelle hier eine Art Landkommune etabliert, die sich „Kalltalgemeinschaft“ nannte, woraus nachfolgend die Gruppe „Kölner Progressive“ hervorging, deren Wirken nicht nur die Kunst des Rheinlands mit prägte, sondern auch die Kunst der 20er Jahre über Deutschland hinaus beeinflusste. Die Ausstellung „Experiment Kalltalgemeinschaft - Die Kölner Progressiven in Simonskall, 1919-1921“ dokumentiert dieses kunsthistorisch bedeutsame Ereignis. 

Neben seiner Bedeutung als regionales Museum, gilt das Junkerhaus Simonskall inzwischen als bedeutender Erinnerungsort der Moderne im Rheinland.

Weitere Informationen:
www.junkerhaus-simonskall.de